FC Arsenal - Kai Havertz als Kritik-Magnet: Die Gefahren beim Gunners-Neuzugang in London
Der FC Arsenal verspielte die Meisterschaft in der vergangenen Saison kurz vor Schluss. In der neuen Spielzeit wagen die Gunners einen neuen Angriff auf Manchester City. Dabei helfen sollen hochkarätige Neuzugänge wie Declan Rice, Jurrien Timber und Kai Havertz. Besonders dem DFB-Star könnte allerdings eine schwierige Saison bevorstehen. Nach nur wenigen Wochen ist er der Kritik-Magnet.
Kai Havertz spielt fortan für den FC Arsenal
Fotocredit: Getty Images
Sichtlich stolz grinste Kai Havertz in die Kamera, in den Händen hielt er eine silberne, achteckige Trophäe, flankiert wurde der deutsche Nationalspieler von Declan Rice und Jurrien Timber.
Das Neuzugang-Trio hatte kurz zuvor seinen ersten Titel mit dem FC Arsenal gewonnen. Im FA Community Shield, dem englischen Supercup, triumphierten die Gunners über den amtierenden Meister Manchester City (4:1 n.V.).
Immerhin eine kleine Revanche für den Umstand, dass die Citizens den lange souveränen Tabellenführer aus London auf der Zielgeraden der vergangenen Premier-League-Saison doch noch abgefangen hatten.
Doch beim Community Shield soll es freilich nicht bleiben, die Arsenal-Fans dürsten nach der ersten Meisterschaft seit 20 Jahren. Rice, Timber und Havertz sollen dabei helfen, das Vorhaben in die Tat umzusetzen, für das Dreigestirn nahm Arsenal viel Geld in die Hand.
Und das könnte vor allem in Havertz' Fall eine Bürde sein.
FC ARSENAL: DAS IST NEU
117 Millionen Euro, 40 Millionen Euro, 75 Millionen Euro. Arsenal investierte insgesamt 232 Millionen Euro für Rice, Timber und Havertz. Ein Statement an die Konkurrenz.
Auf der Abgangseite tat sich indes recht wenig, nur ein Stammspieler verließ den Klub: Ex-Kapitän Granit Xhaka zog es für rund 20 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen. "Jeder weiß, dass ich ihn über alles liebe", sagte Trainer Mikel Arteta zuletzt.
Er ergänzte: "Ich bin dankbar für alles, was er für den Verein, die Mannschaft und mich getan hat."
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/08/09/3759536.jpg)
Declan Rice, Kai Havertz, Jurrien Timber
Fotocredit: Getty Images
Allzu lange musste Arteta seinem langjährigen Sechser aber nicht hinterhertrauern. Mit Rice verpflichtete Arsenal nämlich kurz darauf einen absoluten Top-Mann fürs defensive Mittelfeld. Die bereits erwähnten 117 Millionen Euro wanderten auf das Konto des Londoner Rivalen West Ham United. Nie hatten die Gunners in ihrer Geschichte mehr für einen Spieler gezahlt.
"Er ist schon jetzt exzellent. Wir müssen nur dafür sorgen, dass wir ihn nicht schlechter machen", scherzte Arteta. "Seine Führungsqualitäten stehen außer Frage. Wenn man ihn trifft und fünf Minuten mit ihm verbringt, bekommt man das Gefühl, dass er uns sehr helfen wird. Sowohl in der Kabine als auch auf dem Platz."
Voll des Lobes war Arteta auch für Timber, der fortan zur Stabilisierung der Defensive beitragen soll. "Er ist ein sehr vielseitiger Spieler und kann auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden. Ich mag seine Aggressivität in den Zweikämpfen und seine Dynamik. Er wird für uns sehr wichtig sein."
Für wie vielseitig Arteta seinen Neuzugang hält, machte er im Community Shield gleich deutlich: Der Spanier setzte den gelernten Innenverteidiger auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers ein.
Grundsätzlich sieht der Coach sein neues Team gut gerüstet für die anstehende Premier-League-Spielzeit, die am Samstag mit einem Heimspiel gegen Nottingham beginnt (13:30 Uhr im Liveticker).
Artetas Fazit: "Wir haben in diesem Sommer viel Qualität dazugewonnen. Die Jungs machen uns vielseitiger und ermöglichen uns Dinge, die wir in der vergangenen Saison noch nicht konnten."
FC ARSENAL: DIE NEUE HOFFNUNG
All eyes on Rice hieß es in England in diesem Sommer – zumindest bevor Harry Kanes Transfer-Saga richtig Fahrt aufnahm.
Rice, in London geboren und von Chelsea und West Ham ausgebildet, war das wichtigste Puzzlestück für Arsenal. Nach wochenlangen, zähen Verhandlungen mit den Hammers war der Deal Mitte Juli endlich unter Dach und Fach.
Rice ist sicherlich eine interessante Personalie, ein Spieler, dessen Leistungen alleine aufgrund der Rekord-Ablöse besonders kritisch beäugt werden.
Ein Erfolg, der nach den spektakulären Transfers etwas in den Hintergrund gerückt ist, könnte aber hinsichtlich des neuen Angriffs auf City noch wichtiger werden: Die Vertragsverlängerung mit Innenverteidiger William Saliba.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/07/3740049.jpg)
William Saliba verlängerte seinen Vertrag beim FC Arsenal
Fotocredit: Getty Images
Saliba hatte in der Schlussphase der vergangenen Saison wegen hartnäckiger Rückenprobleme wochenlang gefehlt. Bis zu seiner Verletzung war er der wichtigste Mann in der Innenverteidiung, der junge Franzose hatte erheblichen Anteil daran, dass die Nordlondoner über Monate hinweg vom Platz an der Sonne grüßten.
Nun ist Saliba wieder fit – und mit einem Arbeitspapier bis 2027 ausgestattet. "William hat in der vergangenen Saison bewiesen, wie gut und wie wichtig er für unsere Mannschaft ist", lobte Arteta. Sportchef Edu legte nach: "William ist Teil unserer Vision, unsere talentierten jungen Spieler, die hoffentlich noch viele Jahre bei uns erfolgreich sein werden, zu halten. Wir wollen gemeinsam wachsen."
FC ARSENAL: DAS FRAGEZEICHEN
Die erste kleine Panne rund um Havertz ereignete sich noch vor der offiziellen Transfer-Verkündung, kursierte doch bereits ein Interview mit dem 24-Jährigen im Arsenal-Trikot im Netz.
"Mir wäre es lieber gewesen, dass ihr meine Gedanken über meinen Chelsea-Abschied von mir eher gehört hättet als meine Gedanken über den Wechsel zu meinem neuen Klub", schrieb Havertz auf Twitter und leitete so sein Goodbye an die Blues-Anhänger ein. Der Leak ärgere ihn gewaltig, dies sei nun wahrlich nicht sein Stil.
Im Rahmen der Vorbereitungsreise in den USA machte sich der ehemalige Leverkusener zum Gespött im Netz, weil er bei einer Volley-Challenge von 14 Versuchen keinen einzigen Ball im Tor unterbrachte, während eines Testspiels zwischen Arsenal und Manchester United bezeichnete Co-Kommentator Ben Thornley Havertz als "Müll".
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/14/3743703-76163988-2560-1440.jpg)
Havertz genervt von Bayern-Frage: "Kein Kommentar!"
Quelle: Perform
Kein allzu guter Start also. Obwohl Havertz bis dato auch positive Erfahrungen machte, scheinen sich etliche Experten auf den DFB-Star eingeschossen zu haben. Jüngstes Beispiel war die Kritik nach seinem Auftritt im Community Shield.
"Kai Havertz trifft nicht einmal ein Scheunentor", stellte ihn der frühere Premier-League-Spieler Jamie O'Hara an den Pranger. "Wir wissen, was wir von ihm bekommen. Er wird den Ball im Spiel halten, er wird hart arbeiten. Aber wenn es drauf ankommt, wird er enttäuschen", ergänzte O'Hara.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/14/3743791.jpg)
Kai Havertz
Fotocredit: Getty Images
Jemaine Pennant, einst selbst für Arsenal aktiv, monierte ebenfalls die mangelnde Chancenauswertung: "Kai Havertz hatte beste Chancen, das Spiel hätte niemals ins Elfmeterschießen gehen dürfen. Es hätte nach 90 Minuten entschieden sein müssen."
Ex-Gunner William Gallas stellte die Verpflichtung generell in Frage: "Ich glaube nicht, dass Havertz ein Spieler war, den Arsenal im Sommer gebraucht hat. Für mich war er bei Chelsea schon nicht konstant genug."
Havertz könnte bei Arsenal tatsächlich eine schwierige Saison blühen. Der gebürtige Aachener ist klassischerweise nicht der typische Ärmelhochkrämpler, nicht der große Zampano. Havertz hat einen eigenen Spielstil, kommt vor allem über seine herausragende Technik. Der eine oder andere Kritiker dürfte seine Attitüde auf dem Feld als phlegmatisch bezeichnen.
Zudem wird er, ähnlich wie Rice, stets an seiner hohen Ablöse gemessen werden. Ein weiterer negativer Aspekt: Havertz wird vorerst Knipser Gabriel Jesus als Mittelstürmer ersetzen müssen. Der Brasilianer unterzog sich einer Knie-OP und fällt auf unbestimmte Zeit aus. Havertz kann zwar auf der Neun spielen, seine Paradeposition ist es allerdings nicht.
Dass er schon jetzt, noch vor Ligastart, als Blitzableiter dient, ist dem Ganzen aber auch nicht zuträglich. Arteta kann mit dem Dauerfeuer gegen seinen neuen Schützling ohnehin nichts anfangen: "Havertz war großartig. Die Art und Weise, wie er gepresst hat, wie intelligent er ist, bestimmte Räume erkennt, ist super", honorierte er.
Wie Havertz letztlich mit den Nörglern umgeht, wie er seine Rolle beim neuen Klub annimmt, bleibt abzuwarten.
FC ARSENAL: HIER IST NOCH BEDARF
Arsenal hat – wie skizziert – bis auf Xhaka keine Leistungsträger verloren und insgesamt für die Breite ordentlich nachgebessert.
Einzig die Verletzung von Star-Angreifer Jesus dürfte Arteta Kopfzerbrechen bereiten. In der vergangenen Saison war der Ex-Skyblue sofort eingeschlagen, zeichnete für elf Tore in 26 Ligaspielen verantwortlich.
Dass für die Spitze noch ein namhafter Neuzugang kommt, ist aber unwahrscheinlich. Dafür ist Arsenal doch zu gut aufgestellt.
FC ARSENAL: DAS KOMMT AUF ARTETA ZU
Seit Arteta am Arsenal-Ruder ist, hat sich vieles zum Guten gewendet. Die stolzen Gunners, die zwischenzeitlich zur grauen Maus verkommen waren und sechsmal in Serie die Qualifikation für die Champions League verpasst hatten, sind wieder eine große Nummer in England.
Aus Artetas Sicht ist es nun wichtig, die Leistungen aus der Vorsaison zu konservieren – und punktuell zu verbessern. Spieler wie Rice und auch Havertz sind durchaus in der Lage, einer Mannschaft neue Impulse zu geben.
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/01/12/3524611.jpg)
Der FC Arsenal wurde mit einer jungen Truppe Vizemeister
Fotocredit: Getty Images
Darüber hinaus hat die Mannschaft mit ihren zahlreichen Ausnahmespielern wie Martin Ödegaard, Bukayo Saka, Gabriel Martinelli oder Jesus gezeigt, was von ihr zu erwarten ist. Nach Xhakas Abgang muss Arteta aber noch einen erfahrenen verlängerten Arm auf dem Feld finden.
Aber: Diesmal ist Arsenal eben wieder in der Königsklasse vertreten. Arteta und seine Spieler messen sich wieder mit den besten Mannschaften Europas und müssen somit eine deutlich höhere Belastung verkraften als in der vergangenen Saison, in der "nur" die Europa-League-Teilnahme zu Buche stand.
Das Ziel ist jedenfalls klar: ManCity vom Thron stoßen. "Es wird sehr schwer, sie zu schlagen. Das müssen wir Schritt für Schritt angehen. Wir spielen Champions League und zwei Pokal-Wettbewerbe. Das Niveau in der Premier League ist im Vergleich zur vergangenen Saison noch einmal gestiegen. Aber wir sind bereit", sagte Arteta.
Das könnte Dich auch interessieren: "Extrem komplex": Tuchel zu Bayerns Torwart-Dilemma
/origin-imgresizer.eurosport.com/2023/07/28/3753021-76350353-2560-1440.jpg)
Große Ehre: Arsenal enthüllt Arsène Wenger-Statue
Quelle: Perform
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2025/01/06/image-ea4c9f95-f41e-4a1d-95f7-4af46e7639e1-68-310-310.jpeg)